Segeltörn 05.09.2004 - 10.09.2004
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In der Woche vom 05.-10.09.2004 hieß es "Schiff ahoi" für 16 stramme Mitglieder des Akkordeon-Club Bammental 1968 e.V. Bereits ein Jahr vorher wurden auf Anregung unseres Vorstandes Günter Senn erste Pläne für einen Segeltörn geschmiedet. Am Sonntag, dem 05.09.2004 sollte es endlich losgehen. Um 10 Uhr trafen wir uns bei unserem Vorstand in Bammental. Nachdem auch die zwei letzten Schlafmützen eingekehrt waren, machten wir uns um 10.30 Uhr mit Privat-PKWs auf den Weg in Richtung Norden. Die Kommunikation via selbsterstellter Schilder mit der Aufschrift "WC" ermöglichte gemeinsame Pinkelpausen ohne dass unsere Kolonne unterbrochen wurde.
So erreichten wir nach ca. 5,5 Stunden den Hafen des kleinen idyllischen Dörfchens Ditzum in der Nähe von Emden. Die verbleibende Zeit bis zum Einreffen unseres hochseetauglichen Plattbodenschiffes wurde dahingehend genutzt, die niedliche Ortschaft zu erkunden, von der Windmühle aus die großartige Aussicht über die Ems und das umliegende Land zu genießen und uns schließlich in einem Fischrestaurant noch einmal mit den Köstlichkeiten des Meeres den Magen zu füllen. In der Zwischenzeit waren auch die übrigen Mitglieder unserer Crew eingetroffen, die sich bereits einige Tage zuvor in der Nähe aufgehalten hatten.
Sehnsüchtig warteten wir auf die Ankunft unserer "Verandering" - einem Einmast-Seeklipper, von dem es nur noch zwei weitere Exemplare auf den Weltmeeren gibt. Noch ahnte niemand, dass es noch geraume Zeit dauern würde bis wir an Bord gehen konnten. Die Sonne ging unter. Es wurde dunkel. Doch schließlich - die Uhr zeigte 21.15 Uhr - tauchte aus unheimlicher Dunkelheit ein düsteres Schiff auf. Und tatsächlich: Die "Verandering" legte an und die Crew machte sich bereit um an Bord zu gehen. Eine Kette wurde gebildet, so dass die Nahrungsmittelschätze und sonstigen Güter zügig gebunkert werden konnten. Dass dabei ein Kopfkissen ins Wasser und das eine oder andere hartgekochte Ei durch die Luke fiel, tat der allgemein heiteren Stimmung keinen Abbruch. Diese hielt an bis jeder, erschöpft von der Reise, in seine Koje fiel.
Am folgenden Morgen hieß es früh ausstehen, denn der Rhythmus der Gezeiten fragt nicht danach wie lange man schlafen möchte. Um 9.00 Uhr liefen wir aus dem Ditzumer Hafen aus, und der holländische Kapitän Bernard und Bootsmann Thijs bemühten sich, uns an Deck ein wenig in die Welt der Seelebens eintauchen zu lassen. Die Segel wurden zum ersten Mal gesetzt und das Schiff bewegte sich auf der Ems in Richtung Nordsee. Plötzlich - nanu, was war denn das - gab es einen Ruck und das Schiff bewegte sich nicht mehr. Die "Verandering" war auf Grund gelaufen. "Machen wir das Beste draus" - dachten sich Günter, seine Tochter Yvonne und Uli und sprangen in die Ems zum Schwimmen. Doch so wie das Wasser geht, kommt es auch wieder, und wenig später konnte die Fahrt fortgesetzt werden, so dass wir gegen 18.00 Uhr den ehemaligen Bundeswehrhafen der Insel Borkum erreichten.
Bald machten sich die Insassen der Kajüte Nr. 1 daran, das Abendessen zuzubereiten, denn 18 hungriger Mäuler galt es zu stopfen - an diesem Abend mit Kartoffeleintopf. Während des Essens wurde die Planung des nächsten Tages in Angriff genommen. Der Kapitän erwarte für den nächsten Morgen Nebel und schlug daher für den Nachmittag eine Fahrt nach Juist vor - eine Insel nord-östlich der Emsmündung. Es dauerte nicht lange, da wurden die Spielesammlungen im Aufenthaltsraum entdeckt, und so nahm dank "Outburst" ein geselliger Abend, zu dem die Oldiesongs ihr Übriges taten, seinen Lauf.
Wind und Nebel wollten uns das Ausschlafen am nächsten Tag nicht gönnen, denn da der erwartete Nebel ausblieb und der Wind auf einmal von Nord-Ost wehte, trat Plan B in Kraft: Eine Fahrt zur niederländischen Insel Schiermonnikoog. Eine Fahrt, die wegen des hohen Seegangs nördlich der Inseln - wie man jetzt rückblickend behaupten kann - vielen Mitreisenden wohl in ewiger Erinnerung bleiben wird. Denn schon nach kurzer Zeit verabschiedeten sich die ersten mit fahler Mine von Deck und erblickten erst wieder das Tageslicht, als wir das niederländische Festland schon fast erreicht hatten. Auch Plan B gehörte mittlerweile längst der Vergangenheit an: Das 30 cm zu niedrige Wasser machte ein Anlegen am Hafen von Schiemonnikoog unmöglich, so dass wir stattdessen das holländische Dörfchen Oostmahorn ansteuerten.
Bevor Kajüte Nr. 2 an diesem Abend die hungrige Crew verköstigen konnte, mussten die Vorratsschränke noch ein wenig aufgefüllt werden. Und so marschierte der Trupp zum Einkauf in das zwei Kilometer entfernte Dörfchen Anjum, um von dort die Ware - man höre und staune - von dem äußerst zuvorkommenden Ladenbesitzer höchst persönlich mit dem Auto zum Schiff geliefert zu bekommen.
Der Mittwochmorgen begann in aller Herrgottsfrühe um 6.30 Uhr. Für den heutigen Tag stand "Trockenfallen" auf dem Programm, und dafür war ein wohlgeplantes Timing unabdingbar. Was so eine Wattwanderung doch nicht alles für Überraschungen in sich birgt...: Da lagen nicht nur unzählige Muscheln, Algen und kleine Krebse im Sand, neben einem gestrandeten Schiff kam sogar ein totes Schaf zum Vorschein, das die Tücken der Gezeiten in seinem naivem Leichtsinn wohl etwas unterschätzt hatte. Während sich die Einen eifrig ans Muschelsammeln machten und sich etwas die Füße vertraten, hatten die Anderen Spaß daran, trotz des kühlen Windes und des den Atem zum Stocken bringenden kalten Wassers in der Nordsee schwimmen zu gehen. Das Wasser kam zurück, und bevor uns das selbe Schicksal treffen sollte wie das Schaf, setzten wir die Segel und kehrten um.
Auch der zweite Versuch, in Schiermonnikoog anzulegen, musste trotz des dringlichen Wunsches einiger Gäste scheitern, denn das Wasser war diesmal sogar 35 cm niedriger als gewöhnlich. Und so schipperten wir über den Reidip, einen alten Gezeitenfluss, und genossen die wunderschöne Landschaft, die mit ihren grünen Wiesen und weidenden Schafen an unsere Hausbootfahrt in Irland über den Shannon vor zwei Jahren erinnerte. Während sich die Frauen an Deck sonnten oder in ihre Romane versunken waren, gab es für die segelbegeisterten Männer wegen der zahlreichen Brücken und Kurven unter den Anweisungen des Kapitäns allerhand zu tun: "Segel hoch!", "Segel runter!", "Focksegel strammen!"...
In Garnwerd, einem kleinen idyllischen Nest, legten wir an und wuchteten - da keine andere Anlegemöglichkeit bestand - mit vereinten Kräften den 175 kg (!) schweren Anker an Land. Als Entschädigung für diesen Kraftakt genehmigten wir uns alle ein kühles Bier in der von Günter empfohlenen Kneipe mit der Kuh auf dem Dach, die muht wenn man die Gaststätte passiert. Nun ja, der heiteren Stimmung zufolge, die herrschte als wir zum Abendessen auf die "Verandering" zurückkehrten, könnten es auch zwei oder drei Bier gewesen sein... Die Bewohner der Kajüte 3 hatten bereits ein köstliches Chilli con Carne zubereitet, das der Crew so richtig einheizte. Vielleicht war das auch der Grund, warum Uli, Daniel und Anke plötzlich begannen, Salsa zu tanzen.
Zur Freude der jungen Insassen von Kajüte 4, gestattete uns der Kapitän, am Morgen des 09.09.2004 auszuschlafen (... wobei die Ansichten darüber, was man unter "ausschlafen" versteht, zwischen den Generationen wohl ein klein wenig auseinandergehen). Und so klingelte der Wecker bereits um 8.00 Uhr, so dass das Frühstück bis 9.00 Uhr serviert werden konnte.
Nach dem Frühstück tuckerten wir den Reidip-Kanal weiter bis wir gegen 14.30 Uhr die holländische Stadt Groningen erreichten, die endlich eine Gelegenheit bot, einkaufen zu gehen. Denn auch das Toilettenpapier geht einmal zur Neige - bei einer Besatzung von 18 Mann ein durchaus ernstzunehmender Missstand.
Die Zeit bis zum Abendessen wurde genutzt um die Stadt zu besichtigen, Souvenirs zu besorgen oder sich versehentlich ins Rotlichtmilieu zu verirren. Die Zubereitung des Abendessens verlief trotz anfänglicher Nervosität der jungen Mitglieder, eine solch große Gruppe zu verköstigen, zufriedenstellend. Dass sich niemand offiziell beschwerte, lässt zumindest darauf schließen.
Zu später Stunde - fast hatte niemand mehr damit gerechnet - machte unser Skipper Bernard den Vorschlag, gemeinsam das Nachtleben Groningens etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Wenig später saßen wir in einem gemütlichen kleinen Irish Pup und zischten in geselliger Runde die ersten Guinness, Murphys und Kilkenny. Erst spät (bzw. früh) kehrten wir nach und nach auf unser Schiff zurück - schließlich war es unsere letzte gemeinsame Nacht an Bord der "Veradering".
Den letzten Tag unserer Reise wollten wir alle noch einmal richtig genießen. Ohne Stress standen wir auf sobald wir wach wurden, packten, da niemand mehr Küchendienst hatte, beim Frühstück und Aufwasch gemeinsam an und setzten unseren Segeltörn gegen 10.00 Uhr fort.
Auf dem Ems-Kanal ging es wieder in Richtung Ditzum, dem kleinen Dorf, von dem aus unser Abenteuer begann. Trotz des drehenden Windes und der kräftigen Gegenströmung erreichten wir den Hafen pünktlich um 16.00 Uhr. Glücklicherweise konnten wir an der Außenanlegestelle der Fähre außerhalb des Hafens anlegen, denn diesem mangelte es gezeitenbedingt deutlich an Wasser, so dass wir zu diesem Zeitpunkt unter keinen Umständen in den Hafen hätten einlaufen können.
Ob es wohl an dem unglaublichen Charme unseres Vereins lag, dass Kapitän Bernard uns anbot, den Wind zu nutzen, noch einmal die Segel zu setzten und erst am folgenden Morgen in Ditzum einzulaufen, wird wohl immer ein Geheimnis bleiben...
Bevor wir uns in unsere Autos setzten um in die Heimat zurückzukehren, beschlossen wir unseren unvergesslichen und traumhaften Segeltörn mit einem gemeinsamen Essen in einem der fantastischen Fischrestaurants, die Ditzum zu bieten hat.
Ein Dank gilt all denjenigen, die dieses Abenteuer möglich gemacht bzw. zum Gelingen der Reise in irgendeiner Form beigetragen haben, vor allem unserem Vorstand, der diesen glorreichen Einfall in die Tat umgesetzt hat.

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